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Erster deutsch-serbischer Wissensaustausch am ISAS

Dortmund, 19. August 2021

Seit Anfang Juni sind am ISAS zwei Wissenschaftler:innen aus Belgrad zu Gast. Die Biolog:innen Dr. Jasmina Zivanovic und Dr. Marko Miler vom serbischen Institute for Biological Research „Sinisa Stankovic“ sind Teil des „Serbian Science and Diaspora Collaboration Program“.

Ziel des EU-geförderten Projektes ist es, die Zusammenarbeit zwischen serbischen Wissenschaftler:innen im Heimatland und jenen, die im Ausland leben, zu fördern. Am ISAS kollaborieren Zivanovic und Miler deswegen mit Dr. habil. Milos Filipović, der seit 2020 die Arbeitsgruppe Sulfaging leitet. Sie wollen seine Erkenntnisse aus der Forschung zur Persulfidierung in ihr Projekt integrieren.

Steuert die innere Uhr die Zellfunktionen?

Die beiden Forscher:innen beschäftigen sich damit, wie der zirkadiane Rhythmus, also der Tag-Nacht-Rhythmus, Strukturveränderungen an Proteinen beeinflusst. Dafür untersuchen sie Redox-Modifikationen (z.B. Oxidation, also Verbindung mit Sauerstoff) der Aminosäure Cystein. „Die Redoxveränderung ist ein sehr interessanter Ansatz, mit dem sie beispielsweise auch herausfinden könnten, welche Rolle Alterungsprozesse beim Tag-Nacht-Rhythmus spielen“, berichtet Filipović. Dazu haben Zivanovic und Miler Protein-Proben aus verschiedenen Organen von Ratten mitgebracht. Für die Analyse am ISAS nutzen sie proteomische Ansätze für den Ortsnachweis verschiedener posttranslationaler Modifikationen –Veränderungen des Proteins nachdem die Translation bereits stattgefunden hat –  von Cysteinresten. Zurück in Belgrad wollen Zivanovic und Miler beide die Ergebnisse gemeinsam mit ihrer Forschungsgruppe auswerten. Sie hoffen, anhand der Daten erkennen zu können, zu welchen Tages- oder Nachtzeiten diese Redoxveränderungen auftreten und wie sie die Zellfunktionen verändern. Ihre Forschung könnte dazu beitragen, Erkrankungen wie Schlafstörungen zukünftig besser verstehen und behandeln zu können.

Alte Bekannte im jungen Forschungsgebiet

Die Idee, für den Wissensaustausch nach Dortmund zu kommen, war kein Zufall. Bereits 2016 war Projektleiterin Zivanovic für zweieinhalb Jahre Teil eines Teams von Filipović. An der Universität Bordeaux forschten sie gemeinsam an der Signalübertragung durch Gasotransmitter wie H2S und Stickstoffmonoxid. Miler arbeitet nicht nur das erste Mal mit Filipović zusammen, sondern für ihn ist es auch der erste Forschungsaufenthalt außerhalb Serbiens. „Ich habe die Chance, neue Techniken kennenzulernen und beginne alles in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Das ist eine tolle Erfahrung“, berichtet der 34-Jährige. Beide freuen sich sehr darüber, dass die serbische Regierung die Wissenschaft des Landes mit dem neu gegründeten Fonds stärker unterstütze als bisher. Sie hoffen darauf, auch zukünftig weiter international mit anderen Forscher:innen zusammenzuarbeiten.

SULFAGING untersucht Zusammenhang zwischen Alterungsprozessen und Gasotransmittern

Zu den Gasotransmittern gehören die Gase Schwefelwasserstoff, Stickoxid und Kohlenmonoxid. Sie wirken als Signalstoffe innerhalb und zwischen Zellen und spielen eine wichtige Rolle im menschlichen Körper, beispielsweise bei der Steuerung des Herzschlags oder bei Nervenaktivitäten. Am ISAS leitet Dr. habil. Milos Filipović die Arbeitsgruppe Sulfaging in der Abteilung Translationale Forschung. Mit seinem Team untersucht er den Zusammenhang zwischen Alterungsprozessen und Gasotransmitter-Signalisierung. Dabei konzentriert sich der Biochemiker auf die Signalübertragung in Zellen durch Schwefelwasserstoff. Bei diesem noch jungen Forschungsgebiet will der ERC-Preisträger die genauen Mechanismen der Schwefelwasserstoff-Aktionen entschlüsseln, etwa mithilfe transgener Würmer. Filipovićs Forschung zur Stoffwechselbiochemie liefert wichtige Erkenntnisse, um künftig beispielsweise altersbedingte Erkrankungen besser diagnostizieren und therapieren zu können.

(Cheyenne Peters)

Dr. Jasmina Zivanovic, Dr. Milos Filipović und Dr. Marko Miler.

(v.l.:) Dr. Jasmina Zivanovic, Dr. Milos Filipović und Dr. Marko Miler.

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