Zum Inhalt springen
Mattauch-Herzog-Förderpreis

Sven Heiles für Forschung zu Lipiden ausgezeichnet

Dortmund, 15. Mai 2023

Lipide haben im menschlichen Körper eine Vielzahl von Funktionen. So regulieren die wasserunlöslichen Moleküle etwa das Wachstum von Zellen oder liefern chemische Bausteine für einige Hormone. Die Lipidsignatur – die Menge, Art und chemische Struktur der Lipide – im Gewebe oder Blut unterscheidet sich bei gesunden und kranken Menschen. Dieses Lipid-Wissen für die Vorhersage und Therapie von Erkrankungen nutzbar zu machen, ist das Ziel von Prof. Dr. Sven Heiles. Dafür hat der Chemiker Methoden entwickelt, mit denen sich Lipide für die Analyse im Massenspektrometer gezielt fragmentieren lassen. Für seine Forschung hat die Deutsche Gesellschaft für Massenspektrometrie (DGMS) Heiles am Sonntagabend in Dortmund mit dem Mattauch-Herzog-Förderpreis ausgezeichnet.

Prof. Dr. Sven Heiles (Mitte) ist Träger des Mattauch-Herzog-Förderpreises 2023. Ausgezeichnet haben ihn Sonntag bei der DGMS-Tagung in Dortmund Dr. Silke Merchel (Universität Wien) und Thomas Möhring (links) vom Stifter des Preises Thermo Fisher Scientific.

Prof. Dr. Sven Heiles (Mitte) ist Träger des Mattauch-Herzog-Förderpreises 2023. Ausgezeichnet haben ihn Sonntag bei der DGMS-Tagung in Dortmund Dr. Silke Merchel (Universität Wien) und Thomas Möhring (links) vom Stifter des Preises Thermo Fisher Scientific.

© ISAS / Woidich

Den mit 12.500 Euro dotierten renommierten Preis erhält der 39-Jährige für seine herausragende Leistung zur strukturellen und örtlichen Unterscheidung von Lipiden. Heiles‘ Methoden basieren auf photochemischen Derivatisierungen (2-Benzylpyridin, 2-Acetylpyridin) und Techniken der Fragmentierung (Ultraviolett-Photodissoziation). Damit lassen sich Lipide bei der Analyse im Massenspektrometer in ihre Einzelteile zerlegen und dadurch strukturell charakterisieren. Diese Information über die Struktur gibt Aufschluss darüber, wie eine Erkrankung Einfluss auf die Lipide genommen hat. Im Gewebe von Mäusen konnte der Forscher für Diabetes (Typ I und II) und die Wurmerkrankung Schistosomiasis (Bilharziose) mit seinen Methoden zeigen, welche Lipide sich verändern und wie.

„Sven Heiles‘ Forschung ist ein wichtiger Schritt, um in Zukunft Veränderungen des Lipidstoffwechsels unterschiedlicher Erkrankungen entschlüsseln zu können. Wir gratulieren Sven Heiles und blicken seinen weiteren Arbeiten erwartungsvoll entgegen“, sagt Prof. Dr. Albert Sickmann, Vorstandsvorsitzender des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften – ISAS – e.V. Dort arbeitet Heiles seit dem Jahr 2022 als Leiter der Nachwuchsgruppe Lipidomics.

Über Sven Heiles

Heiles leitet am ISAS die Nachwuchsgruppe Lipidomics, eine Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen. An der dortigen Fakultät für Chemie hat der 39-Jährige eine Juniorprofessur inne. Heiles war zuvor an der Justus-Liebig-Universität Gießen tätig. Er wurde mit Auszeichnung an der TU Darmstadt promoviert und absolvierte mehrere Forschungsstationen im Ausland. Der Chemiker erhielt mehrere Auszeichnungen und Stipendien, darunter auch den Preis der Justus-Liebig-Universität Gießen für seine Habilitation.

Mehr Informationen zu Heiles‘ Forschung in Dortmund

Downloads

Teilen

Weitere Pressemitteilungen

28. Februar 2024

Anmeldung Girls‘ Day 2024: Wenn der Körper sich wehrt – warum kommt es auch ohne Eindringlinge von außen zu Infektionen?

Was haben eine Infektion und ein Herzinfarkt aus immunologischer Sicht gemeinsam? Beim Girls' Day am 25. April 2024 tauchen Schülerinnen mit ISAS-Forscherinnen in die Welt des Immunsystems ein. Bei den Experimenten im Labor geht es beispielsweise darum, Bakterien sichtbar und Organe durchsichtig zu machen. Teilnehmen können Schülerinnen der Klassen 8 bis 10.

24. Januar 2024

EfficientBioAI: Neue Open-Source-Software macht KI-Modelle leichter & grüner

Künstliche Intelligenz ist aus der Forschung nicht mehr wegzudenken. Doch je besser und komplexer die Modelle werden, desto höher ist auch ihr Energieverbrauch. Forschende des ISAS und der Universität Peking haben deswegen eine gebrauchsfertige und kostenfreie Software entwickelt, die bereits bestehende Bioimaging-KI-Modelle komprimiert. Mithilfe der neuen Toolbox können Wissenschaftler:innen ihre Modelle nun schneller und mit wesentlich geringerem Energieaufwand ausführen.

Die Abbildung zeigt die 3D-Semantiksegmentierung von Osteozyten in Mäuseknochen vor und nach der Kompression des Modells mir EfficientBioAI Die Bilder wurden mittels Lichtblatt-Fluoreszenzmikroskopie aufgenommen.
11. Dezember 2023

ComplexEye & KI ermöglichen schnellere Migrationsanalyse von Immunzellen

Wie und wohin Immunzellen wie Neutrophile Granulozyten wandern, ob sie etwa Tumoren infiltrieren, ist für Krebspatient:innen entscheidend. Sie könnten von Medikamenten profitieren, die eben dieses Einwandern verhindern. Bisher ließ sich das Migrationsverhalten von Immunzellen nur mittels herkömmlicher Videomikroskopie untersuchen. Doch nun haben Forschende der Universität Duisburg-Essen und des ISAS das ComplexEye entwickelt. Mit ihrem neuen Mikroskop für die Hochdurchsatzanalyse von Arzneimittelsubstanzen können sie deutlich mehr Neutrophilen in puncto Migration untersuchen.

Vergleich ComplexEye-Objektiv und 28,5-mm-Objektiv eines konventionellen Mikroskops.
22. Dezember 2022

Fettforschung gegen Krebs

Sven Heiles entwickelt neue Analysemethoden, mit denen Informationen zu verschiedenen Molekülen im Körper ganzheitlich untersucht werden.

Sven Heiles (38) ist Juniorprofessor an der Chemischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und leitet am ISAS die Nachwuchsgruppe Lipidomics.
11. November 2022

Chan Zuckerberg Initiative fördert zwei Projekte aus Dortmund

Um die Bildanalyse-Plattform napari zu erweitern, fördert die Chan Zuckerberg Initiative zwei Projekte der ISAS-Forschungsgruppen AMBIOM.

Die linke Abbildung zeigt eine Mikroskop-Aufnahme von Tumor-Zellen. Auf der rechten Seite ist die Segmentierung mittels gängiger Computerprogramme zu sehen. Sobald die Zellen dicht nebeneinander liegen oder überlappen (s. blaue Markierung) verschlechtert sich die Segmentierung. Das vollautomatische Tracking führt daher im Ergebnis zu Ungenauigkeiten.
31. Mai 2022

ISAS untersucht Kommunikation zwischen Neutrophilen & Makrophagen

Forscher:innen um Prof. Dr. Anika Grüneboom untersuchen die Kommunikation von Immunzellen bei rheumatoide Arthritis. Ziel ihres Projekts: neue Therapien ermöglichen.