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Lipide, auch als Fette bekannt, gelten als Tausendsassa unter den Molekülen: Sie sind Bestandteile von Zellmembranen, speichern Energie oder liefern chemische Bausteine für einige Hormone. Außerdem regulieren sie als Botenstoffe beispielsweise das Wachstum von Zellen. Der Lipidstoffwechsel umfasst alle Vorgänge von der Aufnahme bis hin zum Ausscheiden der Lipide. Die Analyse dieser wasserunlöslichen Moleküle gibt Aufschluss über wichtige Vorgänge im Körper.

Die Lipidsignatur – die Menge, Art und chemische Struktur der Lipide – im Gewebe oder Blut fällt bei gesunden und kranken Menschen unterschiedlich aus. Folglich lässt sich mithilfe dieser Informationen eine Verknüpfung zum Gesundheitszustand herstellen: Lipide haben zum einen das Potenzial als Biomarker, um das Risiko für verschiedene Herzerkrankungen oder Krebsarten mittels Frühtests einzuschätzen. Zum anderen könnten Lipidsignaturen dabei helfen, die Präzisionsmedizin bei Krebs voranzutreiben und Therapien künftig noch besser auf Patient:innen zuzuschneiden.

Die Forschungsgruppe legt den Fokus ihrer Arbeiten auf Lipidsignaturen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, genauer gesagt schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom). Hintergrund ist der Zusammenhang zwischen medikamentösen Tumortherapien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Je nach Behandlung, etwa mit sogenannten Immuncheckpoint-Inhibitoren, haben Krebspatient:innen ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzschäden. Das Thema Lipidstoffwechsel von Krebszellen in der Tumortherapie ist bisher noch nicht ausreichend erforscht. Für ihre Analysen kombinieren die Wissenschaftler:innen der Nachwuchsgruppe Lipidomics komplementäre Techniken wie die bildgebende Massenspektrometrie und Mikroskopie. Konkret: MALDI (Matrix Assisted Laser Desorption/Ionization bzw. matrix- unterstützte Laser-Desorption/Ionisierung), Massenspektrometrie sowie Licht- oder Fluoreszenzmikroskopie.

Lipide im OMICS-Kontext betrachten

Ein wichtiger Aspekt der Arbeiten am ISAS ist die Integration von Lipiddaten in sogenannte Multi-Omics-Analysen. Mit dem Begriff Omics bezeichnet die Forschung molekularbiologische Methoden, die eine gesamtheitliche Charakterisierung aller Gene (Genomics), Proteine (Proteomics), Stoffwechselprodukte (Metabolomics) und Lipide (Lipidomics) ermöglichen. Damit sich jedoch unterschiedliche Molekülklassen wie Lipide, Proteine oder Metabolite in einer Probe untersuchen lassen, muss diese intakt bleiben. Besonderes Augenmerk der Nachwuchsgruppe Lipidomics liegt daher auf der Entwicklung neuer Omics-Methoden, mit denen sich verschiedene Molekülklassen in einer Gewebe- oder Blutprobe gleichzeitig analysieren lassen. Ziel ist es, Informationen zu unterschiedlichen Biomolekülen, ihrer Menge und räumlichen Verteilung innerhalb einer Probe zu gewinnen, um ganzheitliche und individuell auf Patient:innen bezogene Aussagen über Erkrankungen treffen zu können. Dafür wird das Lipidomics-Team sowohl eng mit weiteren Arbeitsgruppen am ISAS, als auch mit Forschenden der Universität Duisburg-Essen und dem Universitätsklinikum Essen zusammenarbeiten.

Die Nachwuchsgruppe Lipidomics ist eine Kooperation nach dem Jülicher Modell mit der Universität Duisburg-Essen. Jun.-Prof. Dr. Sven Heiles hat dort an der Fakultät für Chemie eine Professur inne, gleichzeitig leitet er am ISAS die Forschungsgruppe.

Highlights

Studentische Hilfskraft/Masterarbeit (m/w/d)

24. September 2024

Vom Molekül bis zur Krankheit: PIPs-Projekt der Leibniz-Kooperative Exzellenz gestartet

Die Rolle bestimmter Lipide bei Adipositas und anderen Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersuchen Forschende von drei Leibniz-Instituten in einem neuen interdisziplinären Forschungsprojekt.

Eine ISAS-Forscherin befestigt die Kalibration-Kapillare am Massenspektrometer und bereitet damit das Messgerät für die Analyse der PIPs vor.
29. Juni 2026

Auf die inneren Werte kommt es an: Neutrophile bilden feste Untergruppen

Neutrophile Granulozyten lassen sich in zwei stabile Untergruppen mit völlig unterschiedlichen
Funktionen einteilen. Entscheidend ist dabei das Oberflächenprotein CD177. Erstmals konnten Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des ISAS mit einer neuen integrierten Proteomics- und
Lipidomics-Analyse zeigen, dass sich die molekularen Signaturen in CD177-definierten
Neutrophilen stark voneinander unterscheiden. Der Besitz dieses Oberflächenproteins hat Auswirkungen auf Krankheitsverläufe, etwa bei Hals- und Kopftumoren.

CD177 negative Neutrophile.
2. Juli 2026

Vier Perspektiven auf eine gemeinsame Entdeckung

CD177⁺- und CD177⁻-Neutrophile sehen unter dem Mikroskop zwar gleich aus – sind es aber de facto nicht. Wie sie auf die funktionellen Unterschiede dieser Immunzellen gekommen sind und welche kombinierten Analyseverfahren ihre Entdeckung erst ermöglichten, erläutern vier der Autoren von "CD177 Deficiency Defines a Stable Subtype of Human Neutrophil Granulocytes with Tumor Promoting Activity" (Advanced Science). Der Einblick in ihre Arbeit zeigt, wie unentdeckten Informationen interdisziplinäre Zusammenarbeit offenbaren kann.

Das Foto zeigt eine Collage mit Porträts von vier Personen und Mikroskopaufnahmen der Immunzellen Neutrophilen Granulozyten; Von oben links nach rechts: Prof. Dr. Matthias Gunzer, Prof. Dr. Jianxu Chen, Dr. Belal Alshaar und Prof. Dr. Albert Sickmann.
30. Januar 2026

Kopenhagen: Andere Moleküle, neue Perspektiven?

Drei Monate forscht Felix Hormann an der Universität Kopenhagen. Im Interview spricht der ISAS-Doktorand über neue Impulse für seine Lipidforschung und über seinen aufregenden Alltag als Wissenschaftler in Dänemark.

Felix Hormann steht an einer Straßenkreuzung. Im Hintergrund ist ein Verkehrsschild mit dänischer Aufschrift zu sehen.
24. August 2025

Bilder sagen doch nicht mehr als 1.000 Worte

"Die bildgebende Massenspektrometrie den Schritt weg von qualitativen, hübschen Bildern hin zu absolut quantifizierbaren Aussagen schaffen", sagt Prof. Dr. Sven Heiles in seinem Gastbeitrag für ISAS Kompakt. Darin beschreibt er, wieso dies bisher nicht ohne Weiteres möglich war und wie er diese Herausforderung mit seinem Team am ISAS angeht.

Portrait von Jun.-Prof. Dr. Sven Heiles.
12. August 2025

Alles ist relativ: Neue Wege in der bildgebenden Massenspektrometrie

Qualitative und quantitative Daten mithilfe einer einzigen Methode erheben? Das ermöglicht eine Forschergruppe mit ISAS-Beteiligung gleich für eine ganze Substanzklasse und geht so einer vernachlässigten Tropenkrankheit mit weltweit über 200 Mio. Erkrankten auf den Grund.

30. Mai 2025

Was darf in deinem Projekt nicht fehlen, Laxmikanth Kollipara?

In vielen Forschungsvorhaben gibt es die eine Sache, ohne die nichts laufen würde. Vielleicht eine seltene Probe oder ein spezielles Gerät? Für Dr. Laxmikanth Kollipara ist es im Projekt PIPMet eine ganz besondere Säule.

Dr. Laxmikanth Kollipara steht im Labor und hält eine silberfarbene Säule in der Hand. Im Hintergrund stehen HPLC-Systeme.
16. August 2024

„Wir wollen das Grundlagenverständnis für Krankheitsmodelle verbessern.“

Wieso ist es spannend die Lipidsignatur einzelner Zellen zu entschlüsseln? Und welche Zellart eignet sich besonders, um dieses Verfahren möglich zu machen? Die Antworten liefert Prof. Dr. Sven Heiles im Interview.

8. August 2024

„Fettige“ Unterschrift: wie Lipidmuster als diagnostisches Werkzeug dienen

Mikrogliazellen, die Immunzellen des Zentralen Nervensystems, sind für ihre unterschiedlichen Erscheinungsbilder bekannt. Um diese Heterogenität erstmals auch auf Lipid- und damit auf Stoffwechselebene für einzelne Zellen nachzuweisen, hat sich ein Team aus Forschenden ein besonderes Analyseziel gesetzt: die individuellen und „fettigen“ Unterschriften einzelner Zellen zu entschlüsseln.

Das Foto zeigt Jun.-Prof. Dr.-Ing. Sven Heiles und Doktorandin Chiahsin Chi am MALDI-Massenspektrometer.
17. Mai 2023

PODCAST »NACHGEFORSCHT – DIE LIVESCHALTE INS LABOR« Folge 8: Unterschätzte Tausendsassa unter den Molekülen - Lipide

Um die Anzahl, Art und Beschaffenheit von Lipiden dreht sich Prof. Dr. Sven Heiles' Alltag. Was den Chemiker an diesen facettenreichen Molekülen so fasziniert und was die Lipidsignatur beispielsweise in puncto Hautkrebs leisten kann, verrät er in der jüngsten Folge des ISAS-Podcasts.

31. Januar 2023

Das ISAS gratuliert Sven Heiles zur Habilitation

Mit seinem Vortrag über Analytische Chemie in der Paläontologie an der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen hat Heiles nun seine Habilitation erfolgreich abgeschlossen.

Prof. Dr. Sven Heiles.

Projekte

Team

Jun.-Prof. Dr. Sven Heiles

Arbeitsgruppenleiter Ombudsperson

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Portrait von Jun.-Prof. Dr. Sven Heiles.

Dr. Belal Alshaar

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Dominika Bezdeková

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Dr. Eike Brockmann

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Portrait von  Eike Brockmann.

Chiahsin Chi

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Portrait von  Chiahsin Chi.

PD Dr. Joachim Franzke

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Portrait von PD Dr. Joachim Franzke.

Felix-Levin Hormann

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Portrait von  Felix-Levin Hormann.

Dr. Laxmikanth Kollipara

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Portrait von Dr. Laxmikanth Kollipara.

Antje Michels

Ingenieurin

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Portrait von  Antje Michels.

Dr. Luisa Speicher

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Portrait von  Luisa Speicher.

Prisca Weider

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics

Portrait von  Prisca Weider.

Jing Yu

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Abteilung: Bioanalytik

Arbeitsgruppe: Lipidomics