Dortmund, 25. März 2026
Anna Ruzhyna ist Studienärztin im Forschungsprojekt HI‑FIVE (s. Infobox). Sie arbeitet am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW). Ihr Alltag besteht aus Blutproben, Datenanalysen und Gesprächen mit Patient:innen – mithilfe einer groß angelegten Studie arbeitet Ruzhyna mit daran, neue medikamentöse Wege für die Behandlung von Herzschwäche zu erschließen.

Im HI-FIVE-Projekt unterstützt Anna Ruzhyna als Studienassistentin die Durchführung der Studie und koordiniert die Abläufe.
© HDZ NRW
In der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie / Angiologie identifiziert Ruzhyna geeignete Patient:innen für die Studie. Für HI-FIVE sucht sie Teilnehmende mit einer Aortenklappenstenose. Dabei handelt es sich um eine Verengung der Herzklappe zwischen linker Herzkammer und Aorta (Hauptschlagader). Die Betroffenen unterziehen sich einem kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI). TAVI steht für Transcatheter Aortic Valve Implantation und bezeichnet ein minimalinvasives Verfahren, bei dem die defekte Herzklappe über einen Katheter ersetzt wird. Zusätzlich muss bei den Studienteilnehmenden eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) vorliegen.
Ob jemand für die Teilnahme infrage kommt, prüft Ruzhyna anhand von Ein- und Ausschlusskriterien. „Stimmen die Betroffenen zu, haben sie erst noch ein Gespräch mit der ärztlichen Leiterin, bevor ich alle weiteren Untersuchungen für unsere Studie organisiere“, sagt die x-Jährige. Die Studienteilnehmenden beantworten einen standardisierten Fragebogen zur Lebensqualität bei Herzinsuffizienz und absolvieren den Sechs-Minuten-Gehtest. Dabei geht es um die Strecke, die sie innerhalb dieser Zeit zurücklegen können. Zusätzlich entnimmt Ruzhyna ihnen für die Studie Blut.
Vielfältige Aufgaben im Studienalltag
Ihre Arbeit reicht vom direkten Kontakt mit Patient:innen über die Organisation von Untersuchungen bis hin zu Laboranalysen. Genau diese Vielseitigkeit schätzt Ruzhyna besonders. Im Labor isoliert sie sogenannte periphere mononukleäre Blutzellen. Das sind bestimmte Immunzellen, die aus dem Blut gewonnen werden. Diese analysiert die Studienärztin auf Qualität und Lebensfähigkeit. Automatisierte Zellzähler und Durchflusszytometer übernehmen heute einen Großteil der Zählung und Analyse der Zellen. „Als Studentin habe ich noch alles selbst unter dem Mikroskop gezählt. Jetzt zeigen uns diese Geräte exakt, wie viele lebende Zellen wir isolieren konnten“, sagt sie.
HI-FIVE
Im Forschungsprojekt HI-FIVE entwickeln Wissenschaftler:innen und Mediziner:innen am ISAS, bei der Lead Discovery Center GmbH und am Herz- und Diabeteszentrum NRW einen neuen Therapieansatz bei Herzinsuffizienz. Im Fokus stehen GRK5-Inhibitoren, die ein bei Herzschwäche überaktiviertes Schlüsselenzym hemmen. Ziel ist es, Herzinsuffizienz gezielter zu behandeln, vor allem wenn bestehende Medikamente nicht ausreichend wirken. Das Verbundprojekt startete 2025, läuft über drei Jahre und wird von der EU und dem Land NRW mit ca. 2,1 Mio. Euro gefördert.
Von der Rekrutierung zur Entwicklung neuer Wirkstoffe
Seit dem Start der Rekrutierung im Januar 2026 konnte das Team am HDZ NRW bereits 27 Patient:innen in die HI-FIVE-Studie einschließen. Am Ende sollen es etwa 500 sein. „Es stimmt mich optimistisch, dass unsere Arbeit neue Möglichkeiten für Menschen mit Herzinsuffizienz schaffen kann, für die es bisher nur unzureichende Therapieoptionen gibt“, sagt Ruzhyna. Gerade für Menschen mit Herzinsuffizienz und erhaltener Pumpfunktion sei die Therapie bisher begrenzt. HI-FIVE setzt hier im präklinischen Bereich an und untersucht neue Wirkstoffe, die das bei Herzschwäche besonders aktive Schlüsselenzym GRK5 gezielt hemmen. Diese GRK5‑Inhibitoren sollen eine neue Therapieform ermöglichen, indem sie die überaktive Enzymfunktion abschwächen und so den pathologischen Prozessen im kranken Herzen entgegenwirken.
Medizinischer Weg von der Ukraine nach Deutschland
Medizin studierte Ruzhyna in der Ukraine. Schon früh interessierte sie sich dafür, wie Krankheiten entstehen und neue Therapien entwickelt werden. Bereits in ihrer Heimat arbeitete sie in der pharmazeutischen Forschung. Der Umzug nach Deutschland erfolgte 2020 aus familiären Gründen. Nach einer beruflichen Pause lernte sie intensiv Deutsch und fand schließlich wieder in die medizinische Forschung zurück.
Am HDZ NRW schätzt sie besonders die Unterstützung im Team und die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse im beruflichen Alltag weiter auszubauen. Perspektivisch strebt sie die ärztliche Anerkennung in Deutschland an. „In der Medizin gibt es sehr viele Möglichkeiten – entscheidend ist, dass man zufrieden mit seinem Weg ist.“
(Eske Haverkamp)








