Dortmund, 14. Oktober 2026
Mehr als 370 Herzen schlugen beim HI-FIVE Science Slam am Weltherztag im Publikum gespannt um die Wette - sechs davon wohl ganz besonders laut. Zum ersten Mal standen Dr. Alexander Stilkenböhmer und Tibor Maske vom Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) sowie Dr. Susanne Grund, Rowena Gänsler, Malin Hedtstück und Carlotta Peddinghaus vom ISAS als Slammende auf der Bühne. Mit Humor und anschaulichen Geschichten zeigten sie, wie vielfältig die Forschung im Projekt HI-FIVE ist und warum neue Ansätze für die Behandlung von Herzinsuffizienz gebraucht werden.
Seit März hatten sich die sechs in intensiven Workshops auf ihren Auftritt vorbereitet. Den Auftakt an diesem Abend machte Alexander Stilkenböhmer mit Rot-Marie und ihrer herzkranken Großmutter. Erschöpfung, nächtlicher Harndrang und Luftnot: Der Assistenzarzt erklärte die wichtigsten Anzeichen einer chronischen Herzinsuffizienz. Zugleich zeigte er, welche Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen – und warum es weitere Forschung braucht.
Von der Klinik ging es direkt ins Labor. Carlotta Peddinghaus nahm das Publikum mit ins „Mäuse-Gym“: Wie kann die Fitness von Mäusen helfen, eine bestimmte Form der Herzinsuffizienz messbar zu machen? Die Biologin demonstrierte wie verschiedene Stationen im Labor aussehen: Krafttest, eine Laufstrecke, Blutdruck messen. Was normalerweise Mäuse im Labor absolvieren, übernahmen auf der Bühne zwei Freiwillige. Außerdem stellte Peddinghaus das Schlüsselenzym GRK5 als möglichen Ansatzpunkt als zukünftige Therapiesäule vor.

© ISAS

© ISAS

© ISAS

© ISAS

© ISAS

© ISAS

© ISAS
Im Slam von Dr. Susanne Grund drehte sich danach alles um die große Karrierefrage - dem Weg einer pluripotenten Stammzelle: Ob als Leberzelle im „Detoxbusiness“, als Nervenzelle bei der „Post- und Signalleitung“ oder in einem niemals endenden Job als Herzmuskelzelle – einer Stammzelle stehen alle Türen offen. Im Labor allerdings, erklärte Grund, geben die Wissenschaftler:innen die Karriere vor. So auch im Projekt HI-FIVE, wo sie unter anderem mit aus Stammzellen gewonnenen Herzmuskelzellen forscht.
„Toll, dass sich heute alle Slammer auf die Bühne getraut haben! Es ist wichtig, aber auch herausfordernd komplexe wissenschaftliche Themen auf diesem Wege zu vermitteln“, freute sich Projektkoordinatorin von HI-FIVE und Leiterin der Forschungsgruppe Kardiovaskuläre Pharmakologie am ISAS, Prof. Dr. Kristina Lorenz, in der Pause.
Herzgesundheit erleben
Im Foyer gab es parallel die Gelegenheit, das Projekt HI-FIVE näher kennenzulernen und mit den Beteiligten ins Gespräch kommen. Eine auf Herzinsuffizienz spezialisierte Pflegekraft des HDZ NRW beantwortete Fragen zur Erkrankung. Der Bereich Computer Vision und Robotik der FH Dortmund gab Einblicke in den Einsatz von KI und 3D-Bildgebung in der Herzchirurgie.

Mit seiner Geschichte über die „Gebrüder Herz“ veranschaulichte der Biochemiker Tibor Maske, was bei einem Rechtsherzversagen passiert – und warum die Erkrankung noch längst nicht vollständig erforscht ist.
© ISAS
Was passiert bei einem Rechtsherzversagen?
Nach der Pause entführte Tibor Maske das Publikum in die Welt der „Gebrüder Herz“. In einer märchenhaften Geschichte verglich der Biochemiker die linke und rechte Herzhälfte und zeigte, was passiert, wenn einem der beiden die Energie ausgeht. Auch wenn die Geschichte für „Bruder Rechts“ ein gutes Ende nahm, machte Maske deutlich: Das Rechtsherzversagen ist noch längst nicht vollständig erforscht.
Danach richtete Rowena Gänsler den Blick auf die molekulare Ebene. Ihr Superheld: das ERK-Protein. In der Superheldenschule erlernt es, Zellwachstum und Genaktivität zu steuern. In ihrem Slam zeigte die Biochemikerin, was passiert, wenn dieser Signalweg aus dem Gleichgewicht gerät.
Das Publikum kürt die Siegerin
Am Ende entschied der Applaus. „Ein Match fürs Herz“ brachte Malin Hedtstück den Sieg. In ihrem Slam begab sich die Biologin auf spezifische Partnersuche: Welcher Wirkstoff passt zu einem Molekül, um schädliche Signalwege zu hemmen, ohne dabei wirkungslos, toxisch oder beides gleichzeitig zu sein? Doch ein potentieller Wirkstoff ist noch lange kein fertiges Medikament – oder wie Malin Hedtstück es formulierte: „Ein Match ist noch keine große Liebe“.
Wissenschaft, die begeistert
Neben all den unterschiedlichen Geschichten war es vor allem die gemeinsame Begeisterung am Thema, die sich durch den gesamten Abend zog: „Der Abend hat eindrucksvoll gezeigt, wie aus einer klinischen Fragestellung Schritt für Schritt Forschung entsteht. Die Stimmung war super und es waren viele interessierte Leute da“, fasste Prof. Dr. Tanja Rudolph, Kardiologin am Herz- und Diabeteszentrum NRW und klinische Forschungsleiterin im Forschungsprojekt HI-FIVE, den Abend zusammen.

Mit ihrem Slam „Ein Match fürs Herz“ nahm Malin Hedtstück das Publikum mit auf eine besondere Partnersuche: die Suche nach dem passenden Wirkstoff. Mit ihrem Beitrag sicherte sie sich den Sieg des Abends.
© ISAS
HI-FIVE
Im Verbundprojekt HI-FIVE arbeiten Forschende und Mediziner:innen am ISAS gemeinsam mit der Lead Discovery Center GmbH und dem Herz- und Diabeteszentrum NRW an einem neuen Therapieansatz für Herzinsuffizienz. Ziel ist es, verschiedene Formen der Herzschwäche künftig präziser behandeln zu können – vor allem bei Patient:innen, bei denen verfügbare Therapien bislang nicht ausreichend greifen, oder für die es keine passende Behandlung gibt. Als Ansatz dienen GRK5-Inhibitoren. Diese Wirkstoffe blockieren ein bei Herzschwäche überaktiviertes Schlüsselenzym.
»HI-FIVE – GRK5-Inhibitoren zur Therapie verschiedener Herzinsuffizienz-Entitäten« ist im Juli 2025 gestartet. Die NRW-Landesregierung und Europäische Union fördern das dreijährige Projekt mit ca. 2,1 Mio. Euro.
(Isabell Klitzsch)


