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Kopenhagen: Andere Moleküle, neue Perspektiven?

Dortmund, 30. Januar 2026

Felix Hormann ist Promovend in der ISAS-Arbeitsgruppe Lipidomics und forscht zur räumlichen Quantifizierung von Lipiden. Seit November 2025 ist er für einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt in Kopenhagen. Im Interview berichtet der 27-jährige Chemiker von seinen Erfahrungen an der Universität Kopenhagen und teilt einige Eindrücke, auch abseits des Labors.

Felix Hormann steht an einer Straßenkreuzung. Im Hintergrund ist ein Verkehrsschild mit dänischer Aufschrift zu sehen.

ISAS-Doktorand Felix Hormann (27) forscht drei Monate lang an der Universität Kopenhagen. Von der dänischen Hauptstadt aus berichtet er im Interview über seine Erfahrungen.

© Privat

Warum hast du dich für einen Forschungsaufenthalt in Kopenhagen entschieden?

Hormann: Ursprünglich wollte ich schon während des Masterstudiums ein Auslandssemester einlegen, aber leider ist das zeitlich genau mit der COVID-19-Pandemie zusammengefallen. Mir ist es wichtig, auch mal andere Arbeitskulturen zu erleben und eine Zeit außerhalb von Deutschland zu leben. Aus fachlicher Perspektive war die Aussicht auf wertvolles Feedback ergänzend zu meiner Forschung am ISAS bei Prof. Dr. Sven Heiles entscheidend. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Christian Janfelt in Kopenhagen bietet mir Forschungseinblicke, die es in Deutschland so nicht gibt. Ich arbeite hier am Institut für Pharmazie der Universität Kopenhagen, der Fokus liegt auf der Analyse von Medikamenten, deren Wechselwirkung und Verteilung innerhalb eines Gewebes. Verwendet werden diverse bildgebende Massenspektrometrie Methoden, ähnlich zu den Techniken, die wir in Dortmund einsetzen. Die hier gelernten Methoden lassen sich daher sehr gut auf unsere Zielmoleküle wie Lipide und Metaboliten, die wir in Dortmund untersuchen, übertragen.

Wie gefällt dir die dänische Hauptstadt bisher?

Hormann: Kopenhagen gefällt mir sehr gut. Die Stadt ist sehr fahrradfreundlich, mit dem Rad kommt man hier fast überall hin. Das war anfangs eine neue Erfahrung, morgens mit so vielen anderen Menschen vor der Uni in einem richtigen Fahrradstau zu stehen. Natürlich gibt es Verkehrsregeln, aber man muss auch ein wenig mit dem Flow gehen.

Kopenhagen zur Weihnachtszeit ist natürlich auch besonders, mit vielen Weihnachtsmärkten samt Gløgg und Eisbahnen zum Schlittschuhlaufen; und mit dem Hafen voller beleuchteter Kanus während des Lichterfests Santa Lucia, und natürlich dem traditionellen Julefrokost in den Arbeitsgruppen – den Weihnachtsfeiern, die schon zum Mittagessen beginnen und spät enden. Mir wurde aber immer wieder gesagt, dass ich unbedingt im Sommer zurückkommen sollte, dann wäre Kopenhagen noch sehenswerter.

Woran forschst du während deiner Zeit in Kopenhagen?

Hormann: Allgemein geht es um die räumliche Quantifizierung von Analyten innerhalb eines Gewebes, also die Bestimmung der absoluten Konzentration eines Stoffes in bestimmten Bereichen, zum Beispiel im Gehirn. Im Gegensatz zu meiner Arbeit am ISAS, die sich mit der Messung von Lipiden beschäftigt, untersucht die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Janfelt die Verteilung von Medikamenten im Körper. Die räumliche Quantifizierung dieser Moleküle ist etwas einfacher, da es sich um zielgerichtete Analysen von wenigen definierten Molekülen handelt.  Das langfristige Ziel für meine Forschung in Deutschland ist es, basierend auf diesen Experimenten, Lipide in großer Zahl räumlich aufgelöst quantifizieren zu können. In Kopenhagen lerne ich dafür wichtige Grundlagen, um anschließend unsere Messstrategien am ISAS in der Arbeitsgruppe Lipidomics weiterzuentwickeln.

Wie sieht dein Laboralltag als Gastwissenschaftler aus?

Hormann: Mir stehen mehrere Systeme für die bildgebende Massenspektrometrie mit unterschiedlichen Ionisations- und Imaging-Ansätzen zur Verfügung. Ein Teil der Arbeit ist das Charakterisieren der Leistungsparameter dieser verschiedenen Technologien. Wir vergleichen sie miteinander, um herauszufinden, welche Methoden für welche Moleküle am besten funktionieren. Dabei spielt die Sensitivität eine große Rolle, also wie zuverlässig sich selbst sehr kleine Mengen messen lassen.

Bisher habe ich bei der bildgebenden Massenspektrometrie mit Matrix-assistierter Laser Desorption/Ionisation, kurz MALDI, gearbeitet. Hierbei ionisieren wir die Moleküle mithilfe eines Lasers und einer Hilfssubstanz, Matrix genannt, für die anschließende Analyse mit dem Massenspektrometer. In Kopenhagen habe ich zusätzlich ein Training in Desorptionelektrospray Ionisation, kurz DESI, erhalten. Bei dieser Technik erfolgt die Ionisation über ein feines Lösungsmittelspray. Einen großen Teil meiner Zeit verbringe ich zudem mit der Optimierung verschiedener Probenvorbereitungsschritte, um diese später auch in Dortmund anzuwenden.

Felix Hormann trägt einen weißen Kittel und sitzt in einem Labor. Er positioniert eine Probe unter einem Massenspektrometer.

Im Labor von Prof. Dr. Christian Janfelt arbeitet Felix Hormann (hier am Massenspektrometer) mehrere Stunden pro Tag – bis zur obligatorischen Pause mit den dänischen Kolleg:innen.

© Privat

Felix Hormann steht mit seinem Fahrrad am Ufer eines Gewässers. Im Hintergrund ist der Sonnenuntergang sichtbar.

In Kopenhagen ist der Chemiker viel mit dem Fahrrad unterwegs.

© Privat

Felix Hormann steht mit einer Kamera um den Hals auf einem Aussichtsturm. Im Hintergrund sind der Himmel und die Dächer und Gebäude einer Stadt zu sehen.

Hoch hinaus – auch abseits der Forschung. Neue Perspektiven gibt es für Felix Hormann auch außerhalb der dänischen Labore.

© Privat

Gibt es Unterschiede zwischen der deutschen und dänischen Forschungsmentalität?

Hormann: Die ersten Tage im Institut haben sich durchaus anders angefühlt als in Dortmund.  Weil gerade Winter ist und es in Kopenhagen um drei Uhr nachmittags dunkel wird, fangen viele erst um neun Uhr an. So kann man zumindest morgens noch ein wenig Tageslicht mitnehmen. Nach acht Stunden Arbeit gehen die meisten Forschenden, wenige bleiben länger, um vielleicht doch noch ein weiteres Experiment anzustellen. Der Ansatz liegt darin, die Zeit vor Ort möglichst effizient zu nutzen, und im Anschluss Zeit zu finden, um den Kopf wieder frei zu bekommen.

Meine dänischen Kollegen und Kolleginnen legen dabei auch großen Wert auf soziale Faktoren.  Wir essen hier zum Beispiel zusammen zu Mittag, und zwischen Meetings wird bewusst Zeit für eine gemeinsame Kaffeepause eingeplant. Insgesamt fühlt sich alles etwas entspannter an als in Deutschland – ohne dabei weniger produktiv zu sein.

Zudem gibt es viele Möglichkeiten zum freien Ausprobieren an den verschiedenen Geräten im Labor. Das mag auch daran liegen, dass das Institut Teil einer Universität ist. Die Hierarchien sind sehr flach, man darf einfach bei anderen Projekten hereinschauen. So entstehen viele neue Ideen und gemeinsame Versuche.

Was nimmst du aus deiner Zeit in Kopenhagen mit?

Hormann: Ich habe in Kopenhagen mehr über die Analyse und den Einfluss von Hormonen auf unsere Gesundheit gelernt als je zuvor. Einfach dadurch, dass ich an den Gruppenseminaren und Vorträgen unserer gesamten Forschungsabteilung teilnehmen durfte. Um Dinge außerhalb des eigenen Horizonts zu entdecken, muss man sich immer wieder fragen: Was machen die anderen eigentlich? Hier in der dänischen Arbeitsgruppe geht es eben um andere Moleküle, also Hormone und Medikamente, und trotzdem habe ich neue Impulse bekommen, wie Lösungsansätze für meine Forschung aussehen können. Außerdem sind mir auch neue Ideen für mögliche Themen in meiner zukünftigen Forschungstätigkeit gekommen. Vernetzung ist insgesamt sehr wichtig. Es hilft, Telefonnummern zu haben und andere Forschende außerhalb des direkten Umfelds auch mal fragen zu können: „Wie würdest du das machen?“

Gibt es etwas, das du nach deiner Rückkehr am ISAS einbringen möchtest?

Hormann: Ich kann in Kopenhagen auf bereits bestehende Anleitungen und viel Vorarbeit zurückgreifen. Mein Ziel ist es, von der Arbeit mit Medikamenten hin zu Lipiden zu kommen. Ein großer Vorteil ist, dass wir am ISAS sehr ähnliche Analysegeräte haben. Deshalb kann ich Protokolle, die ich hier entwickle, relativ problemlos am ISAS einbringen. Das hilft dabei, eine SOP, eine Standard Operating Procedure, für unsere Fragestellungen in Dortmund zu erstellen. Ansonsten nehme ich noch als schönen Brauch die obligatorische Kaffeepause während unserer Gruppenmeetings mit. (lacht)

Welche Tipps würdest du anderen Doktorand:innen geben, die einen Forschungsaufenthalt im Ausland erwägen?

Hormann: Auf jeden Fall hilft es, mit Personen zu sprechen, die bereits einen Forschungsaufenthalt im Ausland gemacht haben. Viele Menschen im akademischen Bereich gehen offen mit ihren Erfahrungen um. Wichtig ist außerdem, die eigene Arbeitsweise reflektieren zu können und offen für Neues zu sein. Kontakte aufzubauen, auch im Ausland, ist sehr wertvoll.

Ich habe mich auf mehrere Stipendien beworben und würde sagen: den Kopf nicht in den Sand stecken, wenn es mit nicht auf Anhieb klappt. Das kann einfach Pech sein und muss nicht heißen, dass die Forschungsidee schlecht ist – oft gibt es einfach nicht genügend Plätze. Als Promovierende sind wir zudem an Universitäten eingeschrieben, und so bin ich letztlich auch zu meiner ERASMUS+-Förderung gekommen. Außerdem habe ich Glück, dass mich das ISAS ebenfalls unterstützt.

MALDI & DESI

Bei der Matrix-assistierten Laser Desorption/Ionisation (MALDI) betten Forschende die Moleküle aus einer Probe in eine Matrix ein. Die Matrixmoleküle absorbieren das Laserlicht, was zur Ionisation der Zielmoleküle (Analyten) führt.

Die Desorptionelektrospray Ionisation (DESI) dagegen arbeitet mit einem feinen Lösungsmittelspray. Der elektrisch geladene Nebel trifft auf die Probenoberfläche. Der aufgetragene Lösungsmittelfilm extrahiert Analyten aus der Probenoberfläche. Die sekundären Lösungsmitteltropfen aus dem Lösungsmittelfilm führen daraufhin zur Ionisation der Moleküle.

Beide Ionisationstechniken erlauben eine anschließende Analyse der Moleküle mittels Massenspektrometrie.

(Das Interview führte Elai Arts.)

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